Frühförderung (und etwas Linguistik)

11. August, 2008

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen (Eintrag vom 26. März), ein Artikel im Bund von heute bestätigt es wieder: Investitionen in die Frühförderung von Kindern zahlen sich aus. Gemäss der im Artikel zitierten Perry-Pre-School-Studie haben unterprivilegierte Kinder, die früh gefördert werden, später bessere Chancen und sie werden viel seltener von Sozialhilfe abhängig oder kriminell. Und jetzt kommt wieder der grosse – und eigentlich ja offensichtliche – Spareffekt von früh investiertem Geld: Laut der Studie ging jeder in Frühförderung investierte Dollar fünffach an die Gesellschaft zurück… Wie heisst’s so schön ännet dem Atlantik “beat that with a stick”!

Warum reite ich eigentlich auf diesem Thema herum? Letztlich geht es bei vielen unserer Probleme mit der Chancengleichheit für ausländische Kinder in der Schweiz um mangelnde Sprachkompetenz. Wer sich nicht gewandt in Deutsch – und übrigens auch im Dialekt – ausdrücken kann, hat nicht die gleichen Chancen. Als Linguist (der ich ja nun mal tief in mir drin immer noch bin) weiss ich, dass Spracherwerb im ganz frühen Stadium sehr einfach ist. Kleine Kinder sind zwar noch nicht zu sonderlich komplexem abstraktem Denken fähig, aber eines können sie besser als die Erwachsenen: Sprachen lernen. Das machen sie nämlich nicht bewusst, sondern sozusagen automatisch (bei der Formulierung wären nicht alle Linguisten mit mir einig, sie sollen sich mit Noam Chomsky und Steven Pinker streiten). Und ganz toll daran: sie lernen auch mehrere Sprachen völlig problemlos. Dieses Potenzial muss man unbedingt nutzen, denn je länger man mit dem Erwerb einer Zweit- und Drittsprache (in unserem Fall Deutsch und Schweizerdeutsch) wartet, desto schwieriger wird es für die Kinder, rasch die nötige Kompetenz zu erreichen um schon am Anfang ihrer Schulzeit ganz normal mitmachen zu können.

Die Basler fassen das Eisen wieder mal an einer besonders heissen Stelle an und wollen den Besuch einer Sprachspielgruppe für Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen obligatorisch machen. Ich meine sie werden damit noch Ärger kriegen aber gleichzeitig bin ich überzeugt: das wollen wir in Bern auch!

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